Der Nutcracker – Kunst und Kultur aus dem Erzgebirge

Schon seit Anbeginn der Menschheit gehören Nüsse zum Grundnahungsmittel. Um diese zu öffnen, wurden in der Anfangszeit harte Gegenstände, wie z.b. Steine verwendet. Da man jedoch nur die Schale knacken, und nicht die Nuss selber dabei verletzen wollte, wurde die Nusszange erfunden. Kurz darauf erblickte der Nussknacker das Licht des Lebens. Im englischen werden diese pusierlichen Männchen übrigens Nutcrackers genannt. Die figürliche Darstellung variierte jedoch von Region zu Region: in Bayern waren die Motive eher orientalisch, während in Südtirol die Nussknacker als lustige Gesellen dargestellt worden sind, die vor allem die Kinder erfreuen sollten.

Gerade im Erzgebirge nahm die Population der Nussknacker ihren Lauf. Wie alt er eigentlich ist und vor allem wie der aller erste Nussknacker aussah, ist bis heute leider nicht genau bekannt. Die ersten Nussknacker bestanden, soweit man weiß aus zwei Hebelarmen. Diese Erfindung wird Aristoteles zugeschrieben. Fast zwei Jahrhunderte kann man seine Produktion verfolgen, danach verliert sich jedoch seine Spur aufgrund mangelnder Aufzeichnungen. In der bekannten Handwerkskunst des Erzgebirges reicht die Produktion bis in das 18. Jahrhundert zurück. Doch selbst in der “Blütezeit” des Bergbaus waren die meisten Bergleute wegen mangelnden Einkommens gezwungen, sich einen Zweitberuf zu suchen um so ihr geringes Gehalt ein wenig aufstocken zu können. Eine zusätzliche Erwerbsquelle bot die Holzverarbeitung. Da die Schniterzei und allgemein die Arbeit mit Holz schon mit in die Wiege gelegt worden ist und die meisten es auch als Hobby sahen, war schnell klar das man sich so ein zweites Einkommen sichern konnte. Dennoch darf nicht vergessen werden das die bekannten Holzarbeiten nur aus Spaß und Hobby entstanden sind, sondern gezwungenermaßen ihren Lauf nahmen.

Der ersten gedrechselten Nutcracker wird auf Wilhelm Friedrich Füchtner zurückgeführt, der sich die bildliche Darstellung dieses Männchen aus dem Märchen „König Nussknacker und der arme Reinhold” zum Vorbild machte.
Um 1880 schlug die Geburtsstunde des uns heute bekannten Erzgebirge- Nussknackers. Korpus, Hände und Beine wurden schon damals an der Drechselbank geformt. Aus einem Brotteig formte man die Augenpartien, den Bart und die Schuhe. Der Kinnbart und die Kopfhaare wurden aus dem Fell von Kaninchen hergestellt. Damals galten die grimmig dreinschauenden Nussknacker als Spottobjekte gegen die Obrigkeiten.

In der Regel dienen die Nussknacker aus dem Erzgebirge heute mehr als Dekoration und heißbegehrte Sammelobjekte und haben meinst überhaupt keine Knack- Funktion mehr. Mittlerweile gibt es auch weitere bekannte Personen, die als Motivvorlage für die Nussknacker dienen, zum Beispiel Martin Luther, Albert Einstein, Kolumbus und sogar Papst Benedikt XVI. Einige Unternehmen aus dem Erzgebirge haben sich auf diese modernen Motive spezialisiert, die in Sammlerkreisen sehr beliebt sind.